Neben Fragen der Wahrnehmung und Repräsentation von Wirklichkeit sind wissenschaftliche, soziokulturelle und mediale Phänomene Themenfelder die Melitta Moschik in ihren Werken künstlerisch aufgreift und in Form von plastischen Objekten und Installationen umsetzt. Als studierte Mathematikerin verfolgt die Künstlerin stetig konstruktive Gestaltungsprinzipien, die dementsprechend ihre formale Sprache und Arbeitsweise bestimmen. Die computergenerierten, industriell gefertigten Werke, vorzugsweise in Metall, Acryl- und Spiegelglas, sind geprägt von einer technologischen Ästhetik und bewegen sich im Spannungsfeld von Kunst, Neuen Medien und Architektur.
Ein Themenschwerpunkt des Œuvres von Melitta Moschik sind visuelle Strukturen von ‚User Interfaces/Benutzeroberflächen‘. Dabei wird die formale Logik und ästhetische Qualität intelligenter Oberflächen aus unterschiedlichen Bereichen untersucht und deren Ordnung sichtbar und erlebbar gemacht. Die systematisierten Bildwelten von Gebrauchsanweisungen und produktspezifischen Formationen werden von der Künstlerin aus ihrem gewohnten Gebrauchsbezug isoliert und in Bereiche von höchster Aktualität und gesellschaftspolitischer Brisanz verschoben. Dabei werden Mechanismen frei gelegt, die die Metaebene übergeordneter Bestimmungen und Ziele entblößt, allen voran Überwachung und Manipulation.
Die Kommunikation in realen und virtuellen Räumen, die Konzentration auf die wesentlichen Informationsstrukturen sind inhaltliche und formale Schwerpunkte, die das Werk von Melitta Moschik bestimmen. Der virtuelle Raum als kultureller Anschauungsraum und Ort der medialen Kommunikation wird in signifikanten Symbolformen aufgegriffen und in minimalistischen Markierungen und Rauminterventionen dargestellt. In der Inszenierung der Bildfläche als Träger visueller Botschaften verweist die Künstlerin auf die Konditionierung der Reiz-, Seh- und Handlungsmuster des Betrachters und dessen Wahrnehmung und Rezeption der Wirklichkeit.Architektur und Kunst im öffentlichen Raum sind für Melitta Moschik bevorzugte Aktionsfelder, um die Kunst auch im räumlichen Kontext und mit den Benutzern interagieren zu lassen.
Christine Wetzlinger-Grundnig